Nachruf

Ralf Schubert (1956–2018)

(dk) Allzu früh, im Alter von 62 Jahren, erlag unser Übersetzer Ralf Schubert am 16. November 2018 einer Krebserkrankung. Er selbst hätte sein Alter eher mit 15,5 beziffert, weil sein „richtiger“ Geburtstag nur in Schaltjahren stattfand … Er wurde am 29. Februar1956 geboren.

Ralf stammte „aus gutem Hause“ ‒ sein Vater war Einkaufsdirektor der Goetze-Werke, eines Burscheider Metallbetriebs mit Zweigwerk in Opladen (heute Leverkusen), das Kolbenringe herstellte. In Opladen machte Ralf Abitur. Mitte der 1970er Jahre führte ihn sein Interesse an marxistischer Kritik der politischen Ökonomie zu Ernest Mandel und zur IV. Internationale. Ralf wurde Mitglied ihrer deutschen Sektion, der Gruppe Internationale Marxisten (GIM), zunächst in Leverkusen, dann in Köln. Dort studierte er Französisch und Geschichte; mangels Aussicht auf eine Lehrerstelle sattelte er auf Dolmetscher um.

Nach einem Zwischenaufenthalt in Italien siedelte Ralf 1984 nach Brüssel über, wo er ein Berufsleben als Konferenzdolmetscher der EU-Kommission für fünf europäische Fremdsprachen verbrachte. Von 1998 bis 2010 war er mit seiner zweiten, aus Kinshasa/Kongo stammenden Frau Deborah verheiratet, mit der er zwei Kinder hatte, Miriam (20) und Daniel (18).

Dem leidenschaftlichen Fußballfan und Marathonläufer gelang es, der geistig-politischen Anpassung an seine berufliche Umgebung zu widerstehen, so dass er nach seiner Pensionierung unserer Zeitschrift seine ehrenamtlichen Übersetzerdienste anbot. Auch auf internationalen Konferenzen von Attac war er als Dolmetscher tätig. Zudem begleitete er behinderte und pflegebedürftige Menschen auf Ausflügen, etwa ins Fußballstadion. Seinen Brüsseler Freunden und Freundinnen galt er als herausragender Historiker, politischer Intellektueller und Humanist.


Dieser Artikel erschien in die internationale Nr. 1/2019 (Januar/Februar 2019). | Startseite | Impressum | Datenschutz