Geschichte

50. Jahrestag des Soweto-Aufstands

Der Soweto-Aufstand von 1976 löste ein Wiederaufleben kämpferischer Bewegungen aus und trug dazu bei, die Apartheid in Südafrika zu erschüttern.

Paul Martial

Soweto – Abkürzung für „South Western Townships“ – ist bekannt für die Unruhen im Juni 1976, die durch Sam Nzimas Foto verewigt wurden, das einen Mann zeigt, der den Leichnam des 12-jährigen Jungen Hector Pieterson trägt, der von der Polizei getötet worden war. Neben ihm geht ein junges Mädchen, seine Schwester, deren Gesicht von Trauer gezeichnet ist. Dieses Bild ist zum Symbol für die brutale Unterdrückung friedlicher Demonstrationen geworden.


Bantu-Bildung


 

Foto: Sam Nzima

Auslöser der Proteste war ein Rundschreiben, das den obligatorischen Gebrauch von Afrikaans in Schulen vorschrieb – einer Sprache, die mit rassistischer Unterdrückung in Verbindung gebracht wird. Doch abgesehen von dieser Maßnahme sah sich die schwarze Jugend in Südafrika mit einem von großer Ungleichheit geprägten Bildungssystem konfrontiert. Die Regierung stellte für jeden weißen Schüler 644 Rand bereit, während auf jeden schwarzen Schüler lediglich 42 Rand entfielen.

Diese Ungleichheit wurde nicht allein mit wirtschaftlichen Gründen gerechtfertigt. Dr. Verwoerd, der Befürworter der Bantu-Bildung, erläuterte seine Politik wie folgt: „Die Ureinwohner (Schwarze) müssen schon von klein auf lernen, dass Gleichberechtigung mit den Europäern (Weißen) nichts für sie ist.“ Das Bildungswesen war somit ein Instrument, das darauf abzielte, die Apartheid zu festigen.

Die im Laufe der Jahre nur begrenzten Fortschritte bei der Schulbildung junger Schwarzer waren hauptsächlich auf den Druck der Unternehmer zurückzuführen, die besser qualifizierte Arbeitskräfte benötigten.


Der Aufstand


An den weiterführenden Schulen gab es eine Organisation, die „Student Christian Movements“ (SCMs), die zwar offiziell unpolitisch war, jedoch weitgehend von Aktivist:innen der „South African Students’ Movement“ (SASM) unterwandert war, die mit der „Black Consciousness“-Bewegung verbunden war. Diese Aktivist:innen leisteten bedeutende Arbeit im Bereich der Organisierung und der Schaffung von Bewusstsein.

Zunächst gründeten sie ein Aktionskomitee, aus dem später der Soweto-Schülerrat (SSRC) hervorging. Diese Aktivisten spielten eine entscheidende Rolle bei der Auslösung der Proteste.

Hunderte junger Menschen verließen ihre Schulen, um an einer Demonstration teilzunehmen. Ohne Vorwarnung eröffnete die Polizei das Feuer. Zahlreiche Augenzeugen berichten, dass Jugendliche auf der Flucht erschossen wurden.

Der Soweto-Aufstand breitete sich im ganzen Land aus und zog große Teile der Bevölkerung in seinen Sog. Überall reagierte die Staatsmacht mit rücksichtsloser Unterdrückung. Die Armee wurde eingesetzt, und die Polizei zögerte nicht, auf die Bewohner:innen der Townships zu schießen, um Angst und Schrecken zu verbreiten.


Der Wendepunkt


Der Soweto-Aufstand stellte einen echten Wendepunkt im Kampf gegen die Apartheid dar. Nach dem Massaker von Sharpeville im Jahr 1960 waren die Führer der wichtigsten Befreiungsorganisationen, des ANC und des Pan-Africanist Congress (PAC), inhaftiert oder ins Exil gezwungen worden. Das Regime schien damals unerschütterlich zu sein.

      
Mehr dazu
Vereinigtes Sekretariat: Die nationale Frage und die Landfrage in der südafrikanischen Revolution, Inprekorr Nr. 155 (15. Juni 1983).
Langa: Die schwarze Revolte, Inprekorr Nr. 64 (30. Juli 1976).
Vereinigtes Sekretariat: Boykottiert das Apartheid-Regime, Inprekorr Nr. 64 (30. Juli 1976).
 

Jetzt sahen sich die Behörden jedoch gezwungen, einen Rückzieher zu machen und ihre Reform aufzugeben, mit der die Verwendung von Afrikaans in den Schulen vorgeschrieben werden sollte. Vor allem war eine neue Generation von Aktivist:innen herangewachsen. Sie sollten die Anti-Apartheid-Organisationen – seien es Gewerkschaften oder politische Gruppierungen – erheblich stärken.

Auf internationaler Ebene löste die Brutalität des südafrikanischen Regimes große Solidaritätsbewegungen aus, die dazu beitrugen, das Kräfteverhältnis innerhalb des Landes zu verschieben. Nach den Unruhen in Soweto kamen immer mehr Südafrikaner:innen zu der Überzeugung, dass die Apartheid nicht mehr unerschütterlich sei und dass sie irgendwann ein Ende finden würde.

23. Juni 2026
Quelle: 50th anniversary of the Soweto uprising, International Viewpoint, 26.6.2026, Übersetzung aus dem Englischen: Björn Mertens



Dieser Artikel erschien in die internationale Nr. 5/2026 (September/Oktober 2026). | Startseite | Impressum | Datenschutz