Nachruf

Andreas Kloke 1953-2025

Nach langer Krankheit, die ihn in den letzten Jahren stark mitgenommen hat, ist Genosse Andreas Kloke am 7. Oktober im Alter von 72 Jahren in Athen verstorben.

Daniel Berger

Andreas trat 1975 Köln der Gruppe Internationale Marxisten (GIM), der damaligen Sektion der IV. Internationale in Deutschland, bei. Er studierte und wurde Lehrer, doch schon kurze Zeit später ging er im Rahmen der von der Internationale beschlossenen Wende zur Industrie in den Betrieb. Dort und im Zusammenhang mit der sonstigen politischen Arbeit der GIM kam er in engen Kontakt mit migrantischen, vor allem türkischen und griechischen Kolleg:innen.

Als sich die deutsche Sektion 1986 mit der (ehemals maoistischen) KPD zur VSP zusammenschloss, gehörte er zu den wenigen Genoss:innen, die diese Fusion ablehnten. Sie sahen im Selbstverständnis der neuen Partei eine Abkehr von wesentlichen Positionen des revolutionären Marxismus.

      
Mehr dazu
OKDE-Spartakos: Genosse Andreas Kloke ist nicht mehr unter uns, die internationale Nr. 1/2026 (Januar/Februar 2026) (nur online).
Vierte Internationale Programmatische Tendenz (TPT): Andreas Kloke (1953–2025), die internationale Nr. 1/2026 (Januar/Februar 2026) (nur online).
Andreas Kloke: Worum geht es in der Diskussion über Griechenland?, Inprekorr Nr. 4/2012 (Juli/August 2012).
Andreas Kloke: Griechenland im Zeichen der Memoranden – abhängiges oder imperialistisches Land?, Inprekorr Nr. 3/2012 (Mai/Juni 2012).
Andreas Kloke: Die Kosova-Frage und der Ahtisaari-Plan, Inprekorr Nr. 438/439 (Juni/Juli 2008).
Andreas Kloke: Der Krieg, die Krise und die neuen innerimperialistischen Gegensätze, Inprekorr Nr. 386/387 (Januar/Februar 2004).
Andreas Kloke: Nationale Frage und Marxismus, Inprekorr Nr. 335/336 (September/Oktober 1999).
Andreas Kloke: Der Kampf des Kosovo und die Intervention des Westens, Inprekorr Nr. 326 (Dezember 1998).
Andreas Kloke: Zypern im Würgegriff der Nationalismen, Inprekorr Nr. 308 (Juni 1997).
 

Kurz darauf begab sich Andreas auf Reisen durch einige Länder und ließ sich 1988 dauerhaft in Griechenland nieder, wo er sich der OKDE-Spartakos anschloss, der griechischen Sektion der IV. Internationale. In der OKDE wurde er bald zu einem führenden Genossen und später zum wichtigsten Mitglied der Redaktion ihrer Zeitschrift Spartakos.

Intensiv verfolgte er die Debatten der Internationale und kritisierte die Mehrheitslinie. Dabei knüpfte er an Kritikpunkten an, die er schon in der deutschen Sektion vertreten hatte. Als sich die Internationale ab der zweiten Hälfte der 1990er Jahre auf den Eintritt in „breite Parteien“ orientierte – in denen revolutionäre und reformistische Strömungen sich zu einer gemeinsamen Partei zusammenschlossen – verschärfte er seine Kritik. Für ihn war das keine taktische Differenz, sondern nahm mit dem weitgehenden Aufgeben organisatorischer Eigenständigkeit strategische Züge an. Zusammen mit anderen Genoss:innen der internationalen Minderheit warf er der Mehrheitsströmung vor, mit der Ausrichtung auf „breite Parteien“ sich schleichend reformistischen Positionen (mindestens in der Organisationsfrage) anzupassen. Immer wieder betonte er auch die Notwendigkeit einer handlungsfähigen Internationale.

Ein Beispiel für den seiner Ansicht nach opportunistischen Kurs sah er in der viel zu lange von der Internationale hingenommenen Beteiligung von Mitgliedern der brasilianischen Sektion an der ersten Lula-Regierung (ab 2003) und später beim Aufbau der PSOL, die sich keineswegs nur aus revolutionären Strömungen zusammensetzt. Andreas war eines der Gründungsmitglieder der „Antikapitalistischen linken Kooperation zum Umsturz“ in Griechenland, ANTARSYA, sowie der Poli Anapoda („Die Stadt auf den Kopf gestellt“).

Andreas half der griechischen Sektion durch seine konsequente Kritik an SYRIZA, sich eine demoralisierende Erfahrung zu ersparen und einen unabhängigen Standpunkt zu bewahren. Diese Position brachten die griechischen Genoss:innen in die internationale Debatte ein. Sie fühlten sich spätestens nach der katastrophalen Niederlage, in die SYRIZA die griechische Arbeiterklasse führte, bestätigt. Der Höhepunkt dieser Entwicklung war bekanntlich die zynische Missachtung des Neins der griechischen Bevölkerung zum Diktat des Triumvirats 2015 durch die SYRIZA-Regierung.

Inhaltlich arbeitete er viel zur Weltlage, zum Nationalismus (im Besonderen zur nationalen Frage auf dem Balkan), aber auch zur Wirtschaftskrise und zur Entwicklung der kommunistischen Bewegung. Er war auch verlegerisch unterwegs, übersetzte Bücher ins Griechische und schrieb das Buch „Politische Revolution, Nationalismus, Sozialismus“ (nur auf Griechisch). Sein Tod ist ein harter Verlust für die kommunistische Bewegung, vor allem für die griechische Sektion der IV. Internationale. [1]


Dieser Artikel erschien in die internationale Nr. 1/2026 (Januar/Februar 2026). | Startseite | Impressum | Datenschutz


[1] Auf unserer Website befinden sich zwei weitere Nachrufe aus der griechischen Sektion, der Andreas bis zuletzt angehört hat.