Buchbesprechung

Arn Strohmeyer: Der Verrat am Holocaust

Wie Deutschland und Israel durch den Völkermord in Gaza ihre moralische Legalität verloren haben
Gabriele Schäfer Verlag. ISBN 978-3-910594-47-0, 2026, 165 S., 21 €.

Hermann Dierkes

Der Bremer Schriftsteller Arn Strohmeyer hat inzwischen fast 20 sehr informative und orientierende Bücher und Broschüren zu den eng verflochtenen Themen Israel/Palästina, Antisemitismus/Antizionismus, das Verhältnis Deutschland – Israel, Holocaust und Erinnerungspolitik herausgegeben. Seine neueste Publikation unter dem Titel „Der Verrat am Holocaust“ ist wieder einmal eine gelungene Streitschrift gegen den medialen Mainstream, die regierungsoffizielle und auch parteipolitisch – auch nach über zwei Jahren barbarischen Vorgehens der israelischen Seite – immer noch weitgehend gleichgeschaltete Fehlpositionierung.

Der Völkermord in Gaza – und an den Palästinensern insgesamt – durch Israel, seine Armee und seine internationalen Komplizen, der inzwischen in weiten Teilen der Weltbevölkerung Verurteilung findet, muss auch die Sonderbeziehung zwischen Deutschland und Israel, so der Autor, unabdingbar korrigieren, weil sie ihre Basis verloren hat. „Der Völkermord in Gaza hat“, so der Autor, „die politischen, historischen und moralischen Parameter in der Welt vollständig verschoben (…) Israel – dieser Staat wurde mit Berufung auf den Holocaust gegründet – ist selbst zum endgültigen Täter geworden, denn Täter und nicht Opfer war es auch vorher schon. Und Deutschland hat Israels inhumane Gewaltpolitik Jahrzehntelang unterstützt und diesem Staat beim Genozid in Gaza mit Waffen und moralischer Unterstützung Hilfe und Beistand geleistet. Es war neben den USA Mittäter an dem Völkermord.“ Und weiter: „Das Ziel einer Vergangenheitsbewältigung kann nur darin bestehen, eine Wiederholung der Vergangenheit unmöglich zu machen und einen wirklichen Neubeginn herbeizuführen. Das heißt auf Deutschland und Israel bezogen: Die Erinnerungspolitik beider Staaten muss als gescheitert betrachtet werden. Sie haben nichts aus dem Holocaust gelernt – sie haben ihn verraten!“ Wie es zu diesem Verrat gekommen ist, was er bedeutet und was aus ihm folgt, ist das Thema von Arn Strohmeyers neuem Buch.

      
Mehr dazu
Jakob Schäfer: „Demokratischer Faschismus“?, die internationale Nr. 2/2026 (März/April 2026).
Friedrich Voßkühler: Der Verrat des Holocausts durch den israelischen Staat, die internationale Nr. 6/2024 (November/Dezember 2024).
 

Der Autor unterstützt seine Standpunkte mit wesentlichen Aussagen von Historikern, Holocaustforschern, Psychologen, Schriftstellern und Journalisten, darunter Omer Bartov, Daniel Blatman, Avram Burg, Amos Goldberg, Gideon Levy, Ilan Pappe, Shlomo Sand, Avi Shlaim und Moshe Zuckermann.

Arn Strohmeyers Streitschrift ist weite Verbreitung zu wünschen. Sie gehört – gewissermaßen als Gegengift gegen den toxischen öffentlichen Diskurs – auch in die öffentlichen Bibliotheken, Schul- und Gewerkschaftsbüchereien.

Hermann Dierkes, Jg. 1949. Seit 1971 aktiv in der politischen Linken. Hat 30 Jahre in der Stahlindustrie gearbeitet, war IG Metall-Betriebsrat und langjähriger Vorsitzender der Linksfraktion im Duisburger Stadtrat. Lebt als Rentner in Schweden.



Dieser Artikel erschien in die internationale Nr. 2/2026 (März/April 2026). | Startseite | Impressum | Datenschutz