Iran

Nieder mit dem Schah!

Vereinigtes Sekretariat der Vierten Internationale

Im Verlauf des ablaufenden Jahres fand ein Aufstand von nie dagewesenem Ausmaß der iranischen Massen gegen den brutalen Polizeistaat des Schah Resa Pahlewi statt, der immer breitere Schichten der werktätigen Massen ergriff – Studenten, unterdrückte Nationalitäten, Bauern. die Armen in den Städten, Frauen. In den vergangenen zwei Monaten brachte die Arbeiterklasse ihre starke Macht in einer massiven Streikwelle zum Tragen.

De Arbeitenden fügten ihren eigenen ökonomischen Forderungen die der politischen Opposition gegen das verhaßte Regime hinzu. Wieder einmal sehen wir. wie die Arbeiterklasse in einem halbkolonialen Land dazu tendiert, die Führung aller arbeitenden Massen in ihrem Kampf um Demokratie und bessere Lebensbedingungen zu übernehmen, und wie dieser Kampf dahin tendiert, in eine sozialistische Revolution gegen den Kapitalismus und die imperialistische Herrschaft überzugehen.

Washington versuchte, diese gewaltige Erhebung, eine der mächtigsten, andauemdsten und heldenhaftesten der letzten Zeit, als religiös-konservative Antwort auf die „Liberalisierungs“-Politik des Schahs hinzustellen. Nichts ist unwahrer als das. Diese große elementare Bewegung ist gegen 25 Jahre der Repression durch die Hände eines der brutalsten Polizeiregime der Welt gerichtet, gegen die imperialistische Unterstützung des Regimes und die imperialistische wirtschaftliche Ausbeutung, gegen die brutale Auflösung der unterdrückten Nationalitäten, die die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen, und gegen die wirtschaftliche und soziale Politik des Schahs, mit der die Werktätigen der Städte und des Landes zermalmt werden.

Der US-Imperialismus setzte das derzeitige Regime in einem vom CIA dirigierten Putsch 1953 ein. Washington bewaffnete es bis an die Zähne und bildete die verhaßten SAVAK-Folterer aus. Jetzt sind Washington und andere imperialistische Mächte dem Schah zuhilfe geeilt und decken einen massiven Einsatz von Repression, um sich an seinem Thron festzuklammern. Das Schah-Regime spielt eine Schlüsselrolle in den konterrevolutionären Plänen des Imperialismus in der ganzen Region, und dafür setzt man viel ein.

      
Mehr dazu
Vereinigtes Sekretariat der Vierten Internationale: Die dritte iranische Revolution hat begonnen, Inprekorr Nr. 103 (Mai 1979).
Brian Grogan, F. Eteffany, Michel Rovère und Cindy Jaquith: Drei Tage fegten das Regime hinweg, Inprekorr Nr. 98 (März 1979).
Saber Nikbin: Warum Khomeini?, Inprekorr Nr. 97 (Februar 1979).
Michel Rovère: Nach der Abreise des Schah, Inprekorr Nr. 97 (Februar 1979).
Saber Nikbin: Der wirtschaftliche Hintergrund, Inprekorr Nr. 94 (Dezember 1978).
Saber Nikbin: Die Entwicklung der Massenbewegung, Inprekorr Nr. 94 (Dezember 1978).
Javad Sadeeg und Azar Tabari: Die Revolution schreitet voran, Inprekorr Nr. 94 (Dezember 1978).
Der neue Gendarm am Arabischen Golf, Inprekorr Nr. 30 (Juni 1974).
Iran: Schah im Schafspelz, Sozialistische Politik (Juli/August 1964)
 

Die Bürokraten des Kreml und Peking kommen dem Schah ebenfalls in seiner Bedrängnis zu Hilfe; de benutzten die Gelegenheit, als der Tyrann im Oktober Geburtstag hatte, um öffentlich ihre Unterstützung kundzutun. „Vorsitzender“ Hua zahlte dem Schah sogar einen freundlichen Besuch in diesem Sommer, während seine Truppen dabei waren, Demonstranten in den Straßen niederzuschießen. Kurz danach wurde die Schwester des Schahs in Moskau warm empfangen. Wieder einmal zeigt die Politik der „friedlichen Koexistenz“ offen, wie konterrevolutionär sie ist.

Und gleichzeitig wurde Moskau so, aus eigenem engstirnig-nationalistischem Gesichtspunkt gezwungen, vor jeglichen Anstalten Washingtons, direkt militärisch in die Situation zu intervenieren, um den wankenden Monarchen zu retten, zu warnen, da der Iran direkt an die Sowjetunion angrenzt. Carter hat ja schon Versuchsballons aufsteigen lassen, um die mögliche Reaktion auf eine solche Intervention zu testen. Die Gefahren jeglicher direkter imperialistischer Intervention sind klar – das könnte zu einem Weltkrieg führen angesichts der strategischen Bedeutung des Landes.

Anfang November spielte der Schah eine letzte Karte aus in einem Versuch, die Erhebung durch militärische Gewalt zu zerschlagen. Aber das ist leichter gesagt als getan. Die Massen zeigen urgeheuren Mut. Die Proteste in vielen Städten dauern an. Streiks oder langsames Arbeiten gehen weiter. Noch ist kein Teil der Massen besiegt worden. Die entscheidenden Schlachten stehen noch aus.

Die Vierte Internationale ruft die internationale Arbeiterbewegung und alle Unterstützer der demokratischen Rechte auf, sich mit den Kämpfen der arbeitenden Massen des Iran gegen den Schah und sein Regime zu solidarisieren, zu fordern, daß Washington und die anderen imperialistischen Mächte jegliche Hilfe an das Regime einstellen, und sie ruft zur Wachsamkeit auf gegen jeglichen Versuch der Imperialisten zu intervenieren.

21. November 1978



Dieser Artikel erschien in Inprekorr Nr. 94 (Dezember 1978). | Startseite | Impressum | Datenschutz