Die Gründungskonferenz der „Your Party“ (Deine Partei) ist von einer Schlacht zwischen nicht gewählten Bürokrat:innen und der Linken geprägt gewesen, aber letzten Endes ist eine neue sozialistische Arbeiterpartei entstanden.
Simon Hannah und Terry Conway
Der Weg zur Gründungskonferenz war sichtbar qualvoll und zeigte einige der schlimmsten Seiten einiger Leute aus dem linken Lager. Streitigkeiten über Daten und Kontrolle, öffentliche Auseinandersetzungen und Diskussionen, dreiste Aktionen, die mit tief verwurzelter konservativer Vorsicht kollidierten. Die Energie von Anfang August [1], als sich 800 000 Menschen als Unterstützer:innen registrierten, war durch die öffentlichen Auseinandersetzungen über Datenkontrolle und Geld verflogen. Die Frage vor dieser Konferenz war, ob die Partei überleben und sogar neuen Schwung gewinnen könnte.
![]() Foto: inprecor.fr |
„Your Party“ hielt ihre Gründungskonferenz am 29. und 30. November in Liverpool ab. Trotz der Probleme wurde eine neue linke sozialistische und Arbeiterpartei ins Leben gerufen, und das ist dringend nötig. Dieser Artikel handelt von den Ereignissen auf der Konferenz, die gemischt verlief, aber ACR bleibt dem Aufbau einer ökosozialistischen Partei verpflichtet, und Your Party ist nach wie vor ein möglicher Weg, dies zu erreichen.
Der Aufstieg von Zack Polanskis Grünen hat den Raum für eine weitere „linke Partei” geschlossen, sodass eine entscheidende Frage auch lautet, wie Your Party sich klar als sozialistische Partei profilieren kann, die nicht nur zu Wahlen aktiv ist.
Zwischen der ursprünglichen Gründung/den Gründungen passierte bis weit in den November hinein wenig, was bedeutete, dass die Menschen erst spät durch dieses undurchsichtige und undemokratische Losverfahren nach Liverpool gebeten wurden – wodurch viele Menschen mit knappem Geld, Betreuungsaufgaben, besonderen Bedürfnissen usw. ausgeschlossen wurden.
Auch der Ablauf der Konferenz war bis zum Beginn der Veranstaltung unklar. Die Tagesordnung – die an die Presse verteilt wurde, bevor die Mitglieder sie kannten – wurde von den Redner:innen der Plattform dominiert und war erst kurz vor Beginn der Konferenz verfügbar. Es gab keine Möglichkeit für die Konferenz oder die Mitglieder, den Zeitplan zu verändern oder für bestimmte Anträge auf der Konferenz zu werben.
Man kann sehen, welche „Anträge“ wie viele Zustimmungen erhalten haben, aber nicht, warum einige auf die Tagesordnung gekommen sind und andere nicht. Niemand wusste, wie die Vorsitzenden ausgewählt wurden oder in welcher Beziehung sie zu dem mysteriösen Geschäftsordnungsausschuss standen, über den nie berichtet wurde.
Vor der Konferenz gab es einige positive Veränderungen, da das Feedback der Regionalversammlungen zu verbesserten „weiterentwickelten“ Gründungsdokumenten führte. Der Fokus wurde stärker auf die Klimakrise gelegt, die Mitgliedschaft wurde neu definiert, sodass nun auch Nicht-Brit:innen Mitglied werden können, und die Satzung/der Geschäftsordnungsausschuss kann bei der nächsten Konferenz mit einfacher Mehrheit geändert werden, bevor die Schwelle auf eine Zweidrittel-Mehrheit angehoben wird.
Trotz alledem war die Konferenz weitgehend ein Erfolg und zeigte, dass es in Your Party eine ernstzunehmende Linke gibt, die sich den nicht gewählten Bürokrat:innen, die hinter den Kulissen die Fäden ziehen, in mehreren wichtigen Fragen widersetzt und sie besiegt hat. In Ortsgruppen und anderen Foren muss noch viel darüber diskutiert werden, wie man auf den Erfolgen aufbauen und die Schwächen angehen kann.
Am Tag vor der Konferenz herrschte eine bedrohliche Stimmung, als sich die Nachricht verbreitete, dass Führungskräfte der Socialist Workers Party (SWP) wegen ihrer „Mitgliedschaft in einer nationalen politischen Partei“ ausgeschlossen worden waren. Dies war eine der Regeln im „vorläufigen Statut“, die den potenziellen Mitgliedern aufgezwungen wurden. Als John Rees von Counterfire Jeremy Corbyn dazu befragte, antwortete der, dass sich dies wahrscheinlich nur auf registrierte (und damit potenziell rivalisierende) politische Parteien beziehe.
Dennoch wurden am Vorabend der Konferenz die SWP-Führer en bloc ausgeschlossen, darunter auch Alex Callinicos, der nicht einmal Mitglied von YP war. Am Samstagmorgen wurden dann auch Michael Lavalette von Counterfire, der als unabhängiger Stadtrat in Preston gewählt worden war, und James Giles, ein unabhängiger Stadtrat aus Kingston, der Sultanas [2] Versammlung am Freitag geleitet hatte, von der Konferenz ausgeschlossen.
Es bestand offensichtlich die Befürchtung, dass SWP und Counterfire – als Teil der Socialist Unity Platform – einen Dringlichkeitsantrag zur Wahl einer kollektiven Führung einbringen würden. Es war das Gerücht im Umlauf, dass Leute „die Bühne stürmen“ könnten – was nicht der Wahrheit entsprach, aber als Vorwand diente, um Leute auszuschließen.
Aufgrund dieser Manöver war die Versammlung von Zarah Sultana am Vorabend der Konferenz elektrisierend. Ein vollbesetzter Saal hörte eine Reihe von Redner:innen mit einer starken klassenkämpferischen Botschaft. Im Vergleich dazu wurde Corbyns Versammlung zu einer „Kulturveranstaltung“ mit Gedichten herabgestuft, an der weit weniger Menschen teilnahmen.
Der erste Tag der Konferenz wurde straff geführt. Versuche, die Geschäftsordnung in Frage zu stellen, wurden unterbunden (die Live-Übertragung wurde unterbrochen, was die Orwellsche Atmosphäre noch verstärkte). Die Debatten über die „Roadmap“ waren zugleich umfangreich – „Soll die neue Partei auf der Arbeiterklasse basieren?“ –, aber auch oberflächlich. Wie kann man auf einer Konferenz mit sehr wenig Zeit ernsthaft über das Wesen der Klasse diskutieren?
Dass die Frage, ob die Partei sozialistisch und auf die Arbeiterklasse ausgerichtet sein sollte, überhaupt zur Debatte stand, war lächerlich. Das Verhältnis zwischen Präsidiumsredner:innen und einfachen Mitgliedern war stark zugunsten der ersteren verschoben. Dass die politische Erklärung nicht über die vorab festgelegten Debatten zur „Roadmap“ hinaus geändert werden konnte, war schlecht und eindeutig politisch motiviert. Ebenso wie die Tatsache, dass man die Geschäftsordnung der Konferenz nicht diskutieren oder ändern konnte. Das war undemokratisch und kurzsichtig.
Aufgrund von Abweisungen und Ausschlüssen und dominierte die Debatte über die Doppelmitgliedschaft den Tag, was angesichts all der anderen Ereignisse in der Welt schade war. Die beiden Optionen waren nicht großartig, aber Option A, die es dem Zentralen Exekutivkomitee (CEC) erlaubt, Organisationen, denen man angehören und trotzdem Mitglied von YP sein kann, auf eine „weiße Liste“ zu setzen, war besser.
Die Stimmung am Samstag nach Ende der Konferenz war insgesamt nicht positiv. Die am Morgen bekanntgegebenen Ergebnisse der Abstimmungen des Tages zeigten jedoch, dass die Empfehlungen der Linken Wirkung gezeigt hatten. Insbesondere die Unterstützung für eine kollektive Führung wurde eher als vorwärtsgerichtet denn als nostalgisch angesehen, und die Ablehnung des Verbots der Doppelmitgliedschaft wurde als Sieg gegen die Hexenjagd gewertet.
Viele waren verärgert darüber, dass Zarah sich weigerte, vor dem Mittagessen am Sonntag zu sprechen, aber in der Praxis war dies der perfekte Zeitpunkt. Zum einen konnte sie so den oben erwähnten Erfolg feiern, zum anderen aber auch in eine lebhafte Debatte eingreifen.
An diesem Punkt wurden die Mitglieder gebeten, sowohl über die politische Erklärung als auch über die am Vortag geänderte Statut abzustimmen. Wären diese Abstimmungen nicht erfolgreich gewesen, hätte es keine beschlossene Grundlage für das weitere Vorgehen gegeben. Trotzdem sprachen sich mehrere Gruppen für die Ablehnung des Statuts aus. Es gab Gerüchte, dass das Corbyn-Lager das diskutierte, dafür haben wir aber keine Beweise gesehen – auch wenn wir eine Person sahen, die als Corbyn-Loyalist bezeichnet werden könnte, die diese Position vertrat und zurückwich, als sie darauf angesprochen wurde. Zarah machte unter lautem Applaus unmissverständlich klar, dass sie um Zustimmung bat.
Am Ende wurden sowohl die politische Erklärung als auch das Statut mit überwältigender Mehrheit angenommen. Gleichzeitig gab es andere Frustrationen auf der Konferenz. Eine davon war, dass ein hoher Anteil derjenigen, die am Sonntag das Wort ergriffen, schon vorher gesprochen hatten – oder sogar mehr als einmal. Das wurde als unfair empfanden – und verschob trotz der Hexenjagd das Gewicht eindeutig zugunsten der organisierten Gruppen.
Ein weiterer Grund war, dass es keine Möglichkeit gab, Debatten nach ihrer Bedeutung oder Kontroversität zu gewichten, sodass einige ritualisiert wirkten und es keine Möglichkeit gab, früher zur Abstimmung überzugehen, während andere unter Zeitdruck stattfanden oder dadurch untergraben wurden, dass wir zwischen zwei schlechten Optionen wählen mussten, anstatt zwischen mehreren feiner nuancierten Optionen.
Der dritte Grund war, dass einige Debatten es gar nicht auf die Konferenz geschafft haben. Wir waren in gewisser Weise erleichtert, dass der Vorschlag, Your Party solle sich auch in Nordirland aufbauen, nicht auf die Konferenz gelangte – dies zu priorisieren wäre schlecht gewesen, und dem zuzustimmen wäre eine kolonialistische Katastrophe gewesen. Umgekehrt war es hervorragend, dass Transgender-Rechte debattiert wurden und in der Halle überwältigende Unterstützung fanden.
Aber obwohl Menschen mit Einschränkungen von mehreren hochrangigen Redner:innen erwähnt wurden, waren sie praktisch aus einem Prozess ausgeschlossen, der sie nur symbolisch behandelte, indem man sie fragte, ob sie besondere Zugangsbedürfnisse hätten, und nicht darauf einging, ob diese erfüllt wurden. Es ist großartig, Gebärdensprachdolmetscher:innen zu haben – aber man hätte die Delegierten daran erinnern sollen, nicht dazwischenzurufen, weil dies die Untertitelung stört. Es ist nicht akzeptabel, dass es keine Debatte darüber gibt, wie Your Party den Bedürfnissen von Menschen mit Einschränkungen gerecht werden kann.
Das andere wichtige Thema, das aus der Debatte ausgeschlossen wurde, wurde auf noch groteskere Weise behandelt – nämlich das Thema des Arbeiterlohns. Dieses Thema war zu Beginn des Wochenendes zur Annahme ausgewählt worden und wurde plötzlich aus scheinbar nebulösen Gründen gestrichen, sodass alle davon ausgingen, dass die Einwände von denjenigen kamen, die am stärksten davon betroffen wären.
Dann gab es noch die Enttäuschung über die Entscheidung zum Namen. Die meisten Menschen, mit denen wir gesprochen haben, waren unzufrieden mit der begrenzten Auswahl und nicht überzeugt von dem Argument, dass dies die einzigen Optionen seien, die die Wahlkommission zugelassen habe. Es gab keinen transparenten Bericht darüber, was aussortiert worden war und warum. Und viele waren der Meinung, dass das Etikett nicht die wichtigste Frage sei, obwohl mehr als 10 000 Personen an dieser Abstimmung teilgenommen hatten. Zusammen mit der Abstimmung darüber, die Partei ausdrücklich sozialistisch zu machen und die Unterstützung für die Befreiung von Transgender-Personen aufzunehmen, war dies eine der drei Abstimmungen mit der größten Beteiligung.
Auf dem Mitgliederportal sieht man ein Balkendiagramm, das den Prozentsatz der Stimmen für jede Option sowie die absolute Zahl für die angenommene Option anzeigt. Als Erstes fällt auf, dass die Beteiligung gering ist – zum Statut heißt es auf dem Portal beispielsweise: „Nur aktive Vollmitglieder mit verifizierter Identität konnten darüber abstimmen. Die Gesamtzahl der Mitglieder, die diese Kriterien erfüllten, betrug 22 266“. Von den mehr als 55 000 Mitgliedern, die sich angemeldet haben, waren also weniger als die Hälfte „verifiziert“. Es lässt sich nicht sagen, wie viel Prozent davon auf die Demoralisierung durch die internen Streitigkeiten, die Abschreckung durch die Technik oder andere Formen der Ausgrenzung zurückzuführen sind.
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Das Endergebnis war jedoch, dass die Online-Stimmen beschlossen, Online-Abstimmungen auf Ortsverbands- und Konferenzebene zu verankern. Zweifellos taten einige dies aus Gründen der Inklusion. Online-Abstimmungen sind atomisiert, und dabei setzen sich Menschen durch, die möglicherweise nichts von den Debatten auf der Konferenz gehört haben. Die Abstimmungen können auch manipuliert werden, indem prominente Persönlichkeiten aus den sozialen Medien die Menschen auffordern, auf bestimmte Weise abzustimmen, ohne die Stimmung der Konferenzteilnehmenden zu berücksichtigen.
Online-Abstimmungen bei Konferenzbeschlüssen untergraben auch die Grundlage für die Teilnahme an der Konferenz. Für uns bedeutet Inklusion, dass Sitzungen hybrid sein und an gut erreichbaren Orten stattfinden sollten. Das bedeutet, dass bewusst darauf hingearbeitet werden muss, inklusive Delegationen zu wählen und umfassende Berichte zu erstellen. Kollektive Diskussionen sind der Schlüssel zu der Massenpartei der Arbeiterklasse, die wir aufbauen müssen.
In einer Situation, in der die Organisation gerade erst gegründet wird, in der es noch keine Versammlungen in allen Regionen oder nur sehr kurzfristig einberufene Sitzungen gibt, in der die Ankündigungen für Sitzungen nicht an alle zahlenden Mitglieder verschickt wurden und in der es in einigen Orten zu sektiererischen Spaltungen gekommen ist, ist das nicht jedermanns Erfahrung.
Daher beschloss die Konferenz, dass bei der nächsten Konferenz gewählte Delegierte mit einer Art Losverfahren kombiniert werden sollten und dass „die lokale Politikgestaltung durch Online-Abstimmungssysteme bestimmt wird, die das ganze Jahr über für die Beteiligung der lokalen Mitglieder offen sind“ und „Anträge für die Konferenz durch ein ganzjähriges Abstimmungssystem ausgewählt werden“. Zusammengenommen sind diese Entscheidungen verwirrend, unübersichtlich und, unabhängig von den Absichten ihrer Unterstützer:innen, letztlich undemokratisch.
Hier beginnt also die Arbeit. Die Aufgabe besteht darin, inklusive, barrierefreie demokratische „branches“ (Grundeinheiten) aufzubauen, in denen jede und jeder die Möglichkeit hat, sich zu beteiligen. Wahlkämpfe müssen mit dem Engagement in Gemeinden, lokalen Kampagnen und Gewerkschaften verbunden werden. Nationale und regionale Strukturen und Ausschüsse der Unterdrückten sollten nach den gleichen Prinzipien entwickelt werden. Das sind große Chancen, um voranzukommen, aber auch eine enorme Verantwortung.
Der Erfolg oder Misserfolg der Partei hängen davon ab, wie sie sich der Welt präsentiert und ob sie zu einer nützlichen Partei im Klassenkampf wird. Sie muss Alternativen zur Sparpolitik, zu allen Formen der Diskriminierung und zum Imperialismus anbieten und für eine sozialistische Gesellschaft eintreten. Wenn sie in internen Streitigkeiten stecken bleibt, wird sie verkümmern und zu einer Rumpforganisation werden.
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1. Dezember 2025
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Dieser Artikel erschien in der Online-Ausgabe von die internationale Nr. 2/2026 (März/April 2026) (nur online). Auch bei intersoz.org. | Startseite | Impressum | Datenschutz