Das zwischen der israelischen Regierung und der Führung der PLO am 13. September 1993 in Washington geschlossene Abkommen hat in der palästinensischen Solidaritätsbewegung eine breite Debatte ausgelöst, die die Diskussion im palästinensischen Volk selbst widerspiegelt. Die Art der Debatte variiert je nach dem politischen Rahmen, in dem sie sich abspielt. Jene die zur Inprekorr beitragen und die eine radikale Kritik am zionistischen Staat als einen rassistischen und repressiven haben, die darüber hinaus die Rechte der Palästinenser verteidigen, betrachten das Washingtoner Abkommen in keiner Weise als Ausgleich für die Diskriminierung, die das palästinensische Volk bisher erleiden mußte.
Wie auch immer, das Abkommen wirft zwei Fragen auf, die nicht ignoriert werden können: Erstens soll die Arafat-Führung für ihre Unterzeichnung verdammt werden, oder soll man angesichts der politischen Rahmenbedingungen mildernde Umstände gelten lassen? Zweitens sollte das Abkommen als erste Stufe Richtung Fortschritt zu einem gemeinsamen Kampf mit der Arafat-Führung selbst betrachtet werden, oder als restriktiven Rahmen, in dem der Führung nur noch die Rolle als Unterdrücker des eigenen Volkes übrig bleibt, als Stellvertreter der Besatzer?
Die Debatte hat ganz klar verschiedene Standpunkte. Gegenüber anderen Debatten hat sie den Vorteil, daß sie durch den Gang der Ereignisse bald zu Ende gebracht werden wird. Es ist eine faszinierende und leidenschaftliche Debatte: deswegen beschlossen wir, sie diesen Monat zu bringen. Sie reicht von der Position des Büros des Vereinigten Sekretariats der Vierten Internationale über die Position der Mehrheit der Revolutionär-Kommunistischen Liga (Sektion der Internationale im israelischen Staat) zur Position der Minderheit, die wiederum nahe der des Büros steht. Wir wollen zeigen, daß die Debatte uns nicht entlang „ethnischer Grenzen“ trennt, sondern nur verschiedene Beurteilungen darstellt, von GenossInnen, die die gleichen internationalistischen Gedanken teilen.
Dieser Artikel erschien in Inprekorr Nr. 268 (Februar 1994). | Startseite | Impressum | Datenschutz